Einwegverpackungen dominieren weiterhin den Außer-Haus-Konsum in Deutschland. Trotz gesetzlicher Mehrwegangebotspflicht bleibt der Anteil von Mehrweg verschwindend gering.
Eine Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung im Auftrag des WWF zeigt: Der Mehrweganteil in der Gastronomie stieg innerhalb eines Jahres nur von 0,7 % (2022) auf 1,6 % (2023). Gleichzeitig wächst die Gesamtmenge an Einwegverpackungen weiter.1
So kann eine echte Verpackungswende nicht gelingen. Damit Mehrweg zum Standard wird, braucht es klare politische Maßnahmen und wirksame Anreize.


Unsere Forderungen auf einen Blick
1. Verpackungssteuer für Berlin
2. Konsequente Umsetzung der Mehrwegangebotspflicht – wirksamer Vollzug und Verschärfung des Gesetzes
3. Unterstützung von Betrieben, insbesondere kleine Betriebe
4. Stärkung von Bring-Your-Own
5. Sensibilisierung und Aufklärung als erster Schritt zur Verhaltensänderung
Unsere Forderungen im Detail
Verpackungssteuer für Berlin
Berlin braucht eine kommunale Verpackungssteuer auf Einweg-To-go-Verpackungen. Wenn Mehrweg im Alltag wirklich zur naheliegenden und attraktiven Wahl werden soll, muss Einweg teurer werden. Eine Verpackungssteuer setzt genau hier an: Sie schafft einen wirksamen finanziellen Anreiz, auf Mehrweg umzusteigen, und trägt zugleich dazu bei, die Vermüllung im öffentlichen Raum zu verringern.
Die Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass dieses Instrument wirkt. In Tübingen hat die Verpackungssteuer dazu beigetragen, dass deutlich mehr Betriebe Mehrweg anbieten. Auch aus Konstanz gibt es Hinweise darauf, dass das Müllaufkommen im öffentlichen Raum zurückgeht. Eine Verpackungssteuer ist deshalb nicht nur ein Signal gegen Wegwerfverpackungen, sondern ein konkretes politisches Steuerungsinstrument für Abfallvermeidung und Stadtsauberkeit.
Wichtig ist dabei, dass die Einnahmen aus einer solchen Steuer nicht einfach im allgemeinen Haushalt verschwinden. Sie sollten gezielt in den Ausbau von Mehrweg reinvestiert werden, etwa in die Unterstützung von Betrieben, in den Aufbau geeigneter Infrastruktur und in Aufklärungsmaßnahmen für Verbraucher*innen. So wird aus der Steuer ein Hebel für eine echte Verpackungswende.
Konsequente Umsetzung der Mehrwegangebotspflicht – wirksamer Vollzug und Verschärfung des Gesetzes
Die bestehende Mehrwegangebotspflicht bleibt bislang weit hinter ihrem Potenzial zurück. Das liegt nicht nur an Lücken im Gesetz, sondern auch daran, dass es vielerorts kaum kontrolliert wird. Solange Betriebe nicht wirksam überprüft werden und Verstöße kaum Konsequenzen haben, bleibt die Mehrwegangebotspflicht ein Gesetz mit zu wenig Wirkung.
Deshalb braucht es einen deutlich stärkeren Vollzug. Berlin muss mehr finanzielle und personelle Ressourcen bereitstellen, um Gastronomiebetriebe und Lieferdienste regelmäßig zu kontrollieren. Dabei geht es nicht nur darum, ob Mehrweg formal angeboten wird, sondern auch darum, ob die Informationspflicht eingehalten wird. Verbraucher*innen können sich nur dann für Mehrweg entscheiden, wenn sie überhaupt sichtbar und verständlich darüber informiert werden, dass es diese Möglichkeit gibt.
Gleichzeitig muss das Gesetz weiterentwickelt werden. Die Mehrwegangebotspflicht sollte auf alle Materialien ausgeweitet werden und nicht länger nur Kunststoffverpackungen betreffen. Die bisherige Regelung führt zu Ausweichbewegungen und schafft unnötige Verwirrung. Außerdem braucht es weitergehende politische Schritte wie ein Verbot von Einweg beim Vor-Ort-Verzehr und verbindliche Mehrwegquoten für die Gastronomie. Die bisherigen europäischen Vorgaben reichen dafür nicht aus. Wenn Mehrweg wirklich zum Standard werden soll, muss die Politik klarere und verbindlichere Regeln schaffen.
Unterstützung von Betrieben, insbesondere kleine Betriebe
Der Umstieg auf Mehrweg gelingt nur dann breitflächig, wenn Betriebe damit nicht allein gelassen werden. Gerade kleine Gastronomiebetriebe stehen oft vor praktischen, finanziellen und organisatorischen Hürden. Sie brauchen Unterstützung, wenn sie Mehrweglösungen einführen oder bestehende Systeme ausbauen wollen.
Deshalb fordern wir gezielte Förder- und Beratungsangebote für Betriebe jeder Größe, insbesondere aber für kleine Unternehmen. Wer freiwillig Mehrweg einführt oder ausbauen möchte, sollte finanzielle Hilfe, fachliche Beratung und unkomplizierte Unterstützung bei der Umsetzung erhalten. Das betrifft etwa die Auswahl geeigneter Systeme, die Integration in bestehende Abläufe oder die Kommunikation gegenüber Kund*innen.
Mehrweg darf nicht zu einer zusätzlichen Belastung werden, sondern muss als zukunftsfähige, praktikable und wirtschaftlich tragfähige Lösung ermöglicht werden. Eine wirksame Verpackungswende braucht deshalb nicht nur Verbote und Pflichten, sondern auch einen politischen Rahmen, der Betriebe beim Wandel aktiv unterstützt.
Stärkung von Bring-Your-Own
Das Befüllen kund*inneneigener Behältnisse, oft unter dem Stichwort Bring Your Own oder BYO diskutiert, ist eine besonders einfache und wirksame Form der Abfallvermeidung. Im Unterschied zu klassischen Mehrwegpoolsystemen braucht BYO keine aufwendige Rückgabe-, Lager- oder Spüllogistik auf Seiten der Betriebe. Gleichzeitig stärkt es das Bewusstsein der Verbraucher*innen für den eigenen Verpackungsverbrauch und macht Abfallvermeidung unmittelbar erlebbar.
BYO sollte deshalb mindestens als gleichwertige Lösung zur Vermeidung von Einwegverpackungen anerkannt und entsprechend gefördert werden. Wir fordern, dass große Betriebe unmittelbar verpflichtet werden, kund*inneneigene Behältnisse zu befüllen. Gerade dort, wo viele Speisen und Getränke außer Haus verkauft werden, kann diese Maßnahme schnell und wirksam zu weniger Einwegverpackungen führen.
Damit BYO im Alltag funktioniert, braucht es außerdem eine klare und gut sichtbare Information am Verkaufsort. Viele Verbraucher*innen wissen bislang nicht, dass sie eigene Behälter mitbringen können oder stoßen auf Unsicherheit im Umgang damit. Eine Stärkung von BYO bedeutet daher nicht nur eine gesetzliche Verpflichtung, sondern auch eine aktive Kommunikation, die diese Praxis normalisiert und verbreitet.
Sensibilisierung und Aufklärung als erster Schritt zur Verhaltensänderung
Eine erfolgreiche Verpackungswende braucht nicht nur Regeln für Betriebe, sondern auch informierte und sensibilisierte Verbraucher*innen. In unserer Arbeit zeigt sich immer wieder, dass viele Menschen die bestehenden Mehrwegmöglichkeiten gar nicht kennen oder im Alltag kaum wahrnehmen. Selbst dort, wo Mehrweg angeboten wird, wird es oft nicht genutzt, weil Informationen fehlen oder nicht verständlich kommuniziert werden.
Deshalb sind Aufklärung und Sensibilisierung ein zentraler erster Schritt hin zu einer echten Verhaltensänderung. Menschen müssen wissen, warum Mehrweg wichtig ist, welche Möglichkeiten es bereits gibt und wie sie diese unkompliziert nutzen können. Besonders wirksam sind Informationen direkt am Point of Sale, also dort, wo Konsumentscheidungen tatsächlich getroffen werden. Aber auch stadtweite Kampagnen und andere Kommunikationsformate können dazu beitragen, Mehrweg sichtbarer und selbstverständlicher zu machen.
Die bisherige Informationspflicht ist gut gemeint, wird aber vielerorts nicht ausreichend umgesetzt. Umso wichtiger ist es, dass Politik und Verwaltung hier stärker aktiv werden und Formate fördern, die Verbraucher*innen verständlich, alltagsnah und motivierend erreichen. Verhaltensänderung beginnt mit Sichtbarkeit, Orientierung und Wissen.
Lass uns gemeinsam die Verpackungswende voranbringen. Mehrweg ist ein zentraler Baustein für eine echte Zero-Waste-Strategie.Doch ohne klare politische Rahmenbedingungen bleibt Einweg weiterhin der Standard.
Setze dich gemeinsam mit uns für eine Verpackungswende ein und unterstütze unsere Arbeit.
- WWF (2024): Mehrweg in der Gastronomie: Ein Realitätscheck ein Jahr nach Einführung der Mehrwegangebotspflicht. Zuletzt aufgerufen 22.05.2024 unter https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Plastik/Mehrweg-in-der-deutschen-Gastronomie-1-Jahr-Mehrwegangebotspflicht.pdf ↩︎