Zero Waste Cities Zertifizierung für Kommunen – Zukunft gestalten statt Abfall verwalten!

Das Engagement deutscher Städte für einen bewussten Umgang mit Ressourcen wächst! Immer mehr Kommunen ergreifen die Initiative, um Zero Waste Stadt zu werden. Dafür erarbeiten sie ganzheitliche Strategien, um Abfälle systematisch zu vermeiden.

Kiel war die erste deutsche Stadt, die ein ambitioniertes Zero-Waste-Konzept erarbeitet hat. Im Februar 2023 wurde die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins von Zero Waste Europe und Zero Waste Germany auditiert und von der Mission Zero Academy als zertifizierte “Zero Waste City” ausgezeichnet. Nach unter anderem Leipzig, Regensburg, Frankfurt und München haben sich zuletzt der Kreis Höxter (NRW) und auf EU-Ebene die estnische Hauptstadt Tallinn für die europäische Zertifizierung entschieden, die wir hier näher vorstellen möchten.

Was sind die Grundkriterien für eine “Zero Waste City”?

Eine Stadt, die sich als “Candidate Zero Waste City” zertifizieren lässt, verpflichtet sich öffentlich:

  • zu einem ehrgeizigen langfristigen Ziel, die Abfallmenge, die in ihrer Gemeinde deponiert und verbrannt wird, zu reduzieren (z.B. bei 250.000 Einwohnenden weniger als 120kg Restmüll pro Kopf bis 2030)
  • keine Investitionen in Verbrennungstechnologien oder andere Scheinlösungen zu tätigen sowie bestehende Kapazitäten nicht zu erweitern
  • Maßnahmen zu ergreifen, das Bewusstsein für Zero Waste innerhalb der Gemeinde durch eine Vielzahl von Methoden zu erhöhen.

Abgesehen von den genannten Kriterien zeichnen sich die teilnehmenden Städte meist durch neugierige, mutige Teams aus, die etablierte Normen hinterfragen, mit traditionellen Denk-/Handlungsmustern brechen und entschieden Neues wagen.

Wie läuft der Zertifizierungsprozess ab?

Mit Unterzeichnung einer Verpflichtungserklärung mit den Grundkriterien erlangt die Stadt den Status als “Candidate City”. Daraufhin bestehen 2 Jahre Zeit zur Bearbeitung der 40 Zertifizierungskriterien. Im anschließenden Audit zur “Certified City” erfolgt dann die unabhängige Prüfung durch Fachleute, welche von der Mission Zero Academy akkreditiert worden sind. Die Bewertung mit 1-5 Sternen erfolgt anhand eines Punktesystems, welches obligatorische Mindestkriterien und optionale Kriterien enthält, die je nach Ambitionsniveau und Wirkung der umgesetzten Maßnahmen Punkte bringen. Der Zertifizierungsstatus und die jährlichen Fortschritte der Kommune werden nach dem Erstaudit alle 3 Jahre überprüft. 

Was sind die Inhalte der Zertifizierung?

Jede Stadt – mit ihren Bewohner*innen – tickt anders, vor allem im Vergleich zwischen nordischen und südlichen europäischen Ländern, starker oder schwacher Wirtschaftskraft oder geringer und hoher Bevölkerungsdichte. Während die erforderlichen Kriterien von allen Städten erfüllt werden müssen, besteht auch Gestaltungsspielraum, beispielsweise bei der Ausgestaltung der Maßnahmen oder der Unterstützung lokaler Akteur*innen. 

  • Strategie mit messbaren Zielen und Zeithorizonten
  • Datenerhebung und Abfallanalyse zur Fortschrittsmessung 
  • Transparente Veröffentlichung der Fortschritte
  • Zero Waste Advisory Board zur Einbindung wichtiger Stakeholder 
  • regelmäßige Konsultation der Einwohner*innen 
  • Kommunikation & Bildungsangebote
  • Getrenntsammlung von Bioabfällen
  • Pay-as-you-throw-System: wer mehr Müll produziert, zahlt mehr Gebühren
  • Analyse der öffentlichen Beschaffungsprozesse
  • Pfandrückgabesysteme: Anreize zur Rückführung
  • Förderung lokaler Initiativen, z.B. im Bereich Reparatur

Die Liste aller 40 Zertifizierungskriterien findet sich hier zum Download.

Was bringt die Zertifizierung?

Der “Zero Waste City” Zertifizierungsstandard basiert auf 15+ Jahren Erfahrung der Nichtregierungsorganisation Zero Waste Europe mit über 400 europäischen Kommunen und harmonisiert die verschiedenen in den 28 Mitgliedstaaten bestehenden Ansätze zum Übergang unserer linearen und extraktiven Wirtschaft hin zu einem Kreislaufwirtschaftssystem, das das Recht der Menschen auf eine sichere und gesunde Umwelt unterstützt.

  • Glaubwürdigkeit und Verantwortung: In Ergänzung zur Unterzeichnung freiwilliger Erklärungen und Bekenntnisse zur Förderung geschlossener Kreisläufe ist die Zertifizierung der nächste Schritt hin zu verbindlichen Verpflichtungen und aktiver Förderung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses. Um die Zertifizierung zu erhalten bzw. aufrechtzuerhalten, muss die Stadt regelmäßig nachweisen, dass die festgelegten Anforderungen tatsächlich erfüllt werden. Die Überprüfung und Bestätigung im Zuge eines von unabhängigen Dritten durchgeführten Audits belegt die Einhaltung des einheitlichen Zertifizierungsstandards und legitimiert das erreichte Ergebnis (1-5 Sterne). 
  • Zugang zu Expertise, bewährten Praktiken und Vergleichsdaten: Teilnehmende Kommunen können sich mit Zero Waste Städten vernetzen und erhalten fachliche Unterstützung durch Expert*innen aus ganz Europa. Insbesondere der Erfahrungsaustausch über regelmäßige Webinare, Schulungsworkshops und Vor-Ort-Besichtigungen als auch der Zugang zu Daten-Monitoring-Tools wie dem Carbon Calculator oder Waste Prevention Toolkit bieten einen praktischen Mehrwert für Angestellte der Kommune. Die Zertifizierung wird zudem langfristig durch persönlich zugeordnete Mentor*innen begleitet: die Stadt Kiel bspw. durch Zero Waste Kiel e.V.
  • Wirkung: Durchschnittlich verursachen Bewohnende der zertifizierten Zero Waste Städte 130kg weniger Abfälle als der europäische Durchschnitt (Daten von 2020).

Weiterführende Links:

Stand 11.04.2025

Was ist mit “Zero Waste” eigentlich gemeint?

Der aus dem Englischen stammende Begriff kann im Deutschen mit “Null Verschwendung” übersetzt werden. Die wortwörtliche Übersetzung ist natürlich eine utopische Zielsetzung, uns gefällt daran allerdings der ganzheitliche Anspruch, Abfälle zu vermeiden: Zero Waste ist die Bewahrung aller Ressourcen mittels verantwortungsvoller Produktion, Konsum, Wiederverwendung und Rückgewinnung von Produkten, Verpackungen und Materialien ohne Verbrennung und ohne Absonderungen zu Land, Wasser oder Luft, um die Umwelt und die menschliche Gesundheit zu schützen. Im Rahmen der Zero Waste City Zertifizierung wird daher angestrebt, 90% des anfallenden Restmülls zu vermeiden. 

Auf unserer Seite findest du hier weiterführende Informationen zum Thema Zero Waste.

Der Zero Waste Verein ist euer*eure Zero Waste City Ansprechpartner*in!

Persönlicher Kontakt:

Doris Knickmeyer

Zero Waste City Mentorin

Interdisziplinäre Nachhaltigkeitsberaterin und studierte Wirtschaftsjuristin, hat 2016 eine Zero Waste Organisation in Katalonien gegründet und ist seit 2019 im Berliner Zero Waste Verein aktiv. Sie war beim ersten Zero Waste City Audit in Deutschland in Kiel dabei, ist in der Zero Waste City AG unseres Dachverbands Zero Waste Germany aktiv und beantwortet eure Fragen zu den Themen Zero Waste City und Zertifizerung:

doris.knickmeyer[at]zerowasteverein.de